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Die Geschichte unsreres Ortsvereins

Die Verhältnisse nach dem 1. Weltkrieg brachten der Landbevölkerung in weiten Teilen viel Elend und Not. Die ärztliche Versorgung war zwar gesichert, aber nicht jeder konnte sich den Weg zum Arzt leisten. Finanzielle Gründe waren es, die viele Menschen damals zwangen, Folgen kleinerer Unfälle ohne ärztliche Hilfe selbst zu kurieren.

 Um diesen Umstand abzuhelfen und um die größte Not zu lindern, wurde der Gedanke geboren, in Polch eine Sanitätskolonne zu gründen. Im Winter 1920/21 ergriff Herr Karl Lenz, Polch, Gartenstraße, die Initiative und sammelte beherzte Männer um sich, die mit ihm zusammen auf die Verwirklichung dieses Zieles hinarbeiteten. Im März 1921 wurde die Sanitätskolonne von 12 Mitgliedern und dem späteren Bereitschaftsarzt zum 01. April 1921 gegründet. Zugführer wurde Karl Lenz, ein ausgebildeter Sanitäter, und Bereitschaftsarzt Herr Dr. Theo Reiff. Die Gründungsmitglieder gingen voller Begeisterung ans Werk. Die Schulungsabende fanden wöchentlich im Hotel Lenz, Am Bahnhof, oder in der Alter Volksschule in der Bahnhofstraße/Gartenstraße statt. Das Vertrauen der Bevölkerung wurde schnell gewonnen, die Sanitätsstaffel, wie sie inzwischen hieß, erweitert und die Nachbarorte in die Arbeit einbezogen. Die gesamte Arbeit wurde ehrenamtlich geleistet.

 

Im Jahre 1923 trat die Sanitätskolonne in einer gemeinsamen Übung mit der Freiwilligen Feuerwehr erstmals an die Öffentlichkeit. Es war eine gelungene Veranstaltung, die der Bevölkerung den Leistungsstand des Roten Kreuzes vermittelte. In den Folgejahren gab es größere Übungen mit den Sanitätskolonnen Koblenz, Mayen, Weißenthurm, Andernach und Ochtendung in Anwesenheit des Inspekteurs aus Koblenz.

 Die notwendigen Hilfsmittel – Verbandsmaterial und Gerätschaften- wurden aus Spenden der Bevölkerung, der Gemeinde und öffentlichen Kassen angeschafft.

 Das 10-jährige Stiftungsfest wurde 1931 in Anwesenheit des Inspekteurs aus Bad Kreuznach mit einer Großübung begangen.

 In den einzelnen Orten der Umgebung von Polch wurden bei ausgebildeten Helfern Unfallhilfestellen eingerichtet. Die Fort- und Weiterbildung wurde intensiviert. Es kam zu Einsätzen bei Sportveranstaltungen und größeren Versammlungen. Nach der Fertigstellung des Nürburgringes kam die Sanitätskolonne bei Rennveranstaltungen zum Einsatz.

Im Jahre 1936 wurde das 15-jährige Stiftungsfest mit einer Großübung gefeiert.

In der Folgezeit machte sich auch der Einfluss der damaligen Machthaber bemerkbar. Militärischer Einfluss, Überwachung und gezielte Lenkung der Rotkreuzarbeit setzte ein.

 Im Jahre 1938 fand in Mayen eine Großübung statt, bei der unsere Sanitätskolonne mit dem Sanitätszug Ochtendung in einer Bereitschaft zusammengefasst war.

 

Am 01. August 1938 hatte der Sanitätszug Polch 45 aktive Helfer aus den Orten Polch mit Kaan, Gappenach, Mertloch, Rüber, Trimbs und Welling. Der 2. Weltkrieg brachte einen tiefen Einschnitt. Die meisten Helfer wurden zur Wehrmacht einberufen; viele kehrten aus dem Krieg nicht mehr heim. Die entstandenen Lücken wurden durch die Einrichtung einer weiblichen Bereitschaft geschlossen.

 

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges setzte Herr Karl Lenz sich für eine Wiederbelebung der Vereinstätigkeit ein. Am 26. Juni 1949 fand dazu eine Versammlung der verbliebenen Helfer und Hinzuziehung der Ärzte Dr. Theo Reiff und Dr. Otto Henrichs statt. Es wurde die Fortführung des Vereins sowie der bisherigen Unfallmeldestellen sowie die Einrichtung weiterer solcher  Stellen beschlossen. Als Bestand konnte festgestellt werden: 3 Stellen in Polch, je eine auf dem Kurbenhof und in Nettesürsch sowie in Gappenach, Kaan, Kerben, Mertloch, Ruitsch, Rüber, Trimbs und Welling. Karl Lenz legte wegen seines Kriegsleidens sein Amt als Zugführer nieder. Die Versammlung wählte als seinen Nachfolger Herrn Johann Krämer und Herrn Wilhelm Balmes zum Schriftführer. Es wurde angeregt, die weibliche Bereitschaft zu reaktivieren.

 Am 17. November 1949 verstarb der erste 1. Vorsitzende des Roten Kreuzes Polch, Herr Karl Lenz, dessen Verdienste in einem Nachruf des Vereins gewürdigt wurden.

 Die Zusammenarbeit mit dem DRK Kreisverband wurde wieder aufgenommen. Die Finanzen mussten neu geordnet und fördernde Mitglieder gewonnen werden. Die Sachausstattung bedurfte dringend der Erneuerung.

 Auf Einladung des Vorsitzenden Adam Gail fand am 26. August 1951 eine ordentliche Mitgliederversammlung statt, in der von den 23 Anwesenden Johann Krämer zum Vorsitzenden und Peter Michels zum Stellvertreter gewählt wurde. Kassenwart blieb Kamerad Müller. Zugführer der männlichen Bereitschaft wurde Nikolaus Hermen und Schriftführerin Margarethe Röser.

 Am 27. Oktober 1951 wurde das 30-jährige Stiftungsfest im Rahmen einer Familienfeier im Saal Lenz, Am Bahnhof, festlich begangen. Kreisbereitschaftsarzt Dr. Theo Reiff gab einen geschichtlichen Rückblick über den Verein. Amtsbürgermeister Walther Falkenbach hielt eine Ansprache und fand anerkennende Worte für die in der Vergangenheit geleistete Arbeit. Und die gute Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr. Bereitschaftsarzt Dr. Otto Henrichs erstattete Bericht. Auf Beschluss der Bereitschaft ernannte er Dr. Theo Reiff zum Ehrenmitglied, der sich dafür herzlich bedankte. Es fanden Ehrungen und Ernennungen statt.

unten: Grossraumkrankenwagen des DRK Polch bei einer Feuerwehrübung in den 60er Jahren

Seit 1953 wurde die Rotkreuzarbeit und dem Vorsitz von Peter Michels fortgesetzt. Unsere Aktiven erwarben verschiedene Ausbilder-Diplome. Der Nachwuchs wurde geschult. Betriebshelfer wurden ausgebildet. Weibliche und männliche Bereitschaft führten ihre Übungen durch. Verdiente Mitglieder wurden für langjährige treue Dienste geehrt. Unter den Vorsitzenden Dr. Dr. Willibald Schwarzkopf und Dr. Karl Krautwig wurde diese Arbeit fortgesetzt, die Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr weiter vertieft und gesteigert. Unsere Bereitschaftsführerinnen und Bereitschaftsführer steuerten ihren Arbeitsanteil hinzu; sie veranstalteten vermehrt Erste-Hilfe-Lehrgänge. Bei zahlreichen Einsätze und den alljährlichen Großübungen bewiesen die Helferinnen und Helfer des Ortsvereines ihre Schlagkraft und ihren hohen Ausbildungsstand, wobei die zahlreichen Einsätze am Nürburgring besonders hervorzuheben sind.

 Ebenso vorbildlich wurde die Sozialarbeit des Ortsvereins geführt. Ihr Schwergewicht lag und liegt in der ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe sowie dem Altenbesuchs- und Betreuungsdienst. Seit den Jahren 1959/1960 organisieren wir den Blutspendedienst, eingedenk der Tatsache, dass Blut Leben erhält. Seit etwa 30 Jahren führen wir Kleidersammlungen durch, wovon ein Teilerlös der Vereinsarbeit dient.

2. Sanitätszug im Kreis Mayen

In den 60er und 70er Jahren stellte der Ortsverein für den erweiterten Katastrophenschutz das Personal für einen Sanitätszug, der mit sieben Einsatzfahrzeugen und dem notwendigen technischen und sanitätsdienstlichen Material ausgerüstet war. Im Rahmen der Neuordnung des Katastrophenschutzes sind Änderungen eingetreten, die zu einer Verringerung der Einsatzfahrzeuge auf drei Einheiten geführt haben.

Seit einer Reihe von Jahren stellt der Ortsverein zusammen mit den Ortvereinen Mayen und Mendig das Personal für die Sondereinsatzgruppe (SEG).

 Seit dem Jahre 1986 haben wir eine Jugend-Rotkreuz-Gruppe. Die Mädchen und Jungen sind fleißig bei der Arbeit. Sie werden für ihren späteren Dienst im Roten Kreuz ausgebildet.

Am 10. Januar 1986 wurde Staatssekretär a.D. Leo Schönberg, MdL, als 1.Vorsitzender in den Vorstand gewählt; außerdem stand er dem DRK-Kreisvorstand seit 1983 als Justitiar zur Verfügung. Er setzte die erfolgreiche Arbeit seiner Vorgänger mit Bedacht fort in enger Zusammenarbeit mit der Leiterin der weiblichen Bereitschaft, Frau Hannelore Krahnke, und dem damaligen Leiter der männlichen Bereitschaft, Herrn Norbert Haimann, sowie den anderen Vorstandsmitgliedern.

Der DRK-Ortverein Polch hatte in den 75 Jahren seines Bestehens eine Vielzahl von Aufgaben erfüllt. Unter der Leitung seines jetzt amtierenden Vorstandes ist er, auch für die Zukunft, immer zur Hilfe am Nächsten bereit.